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Kopfsteinperspektive, Maschinenlatein und "Ikonen Cognac"

Schullesung mit Hans Thill während des Lyrikertreffens 2019

Am Freitag, den 24.05.2019, fand im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Lyrikertreffens der Stadt Münster eine Schullesung mit Hans Thill am Wilhelm-Hittorf-Gymnasium statt.

Hans Thill las zunächst Reiseerinnerungen aus Plovdiv (Bulgarien) in Form eines Faxes an seine Frau und dann Gedichte aus seinen Bänden "Kopfsteinperspektive" und "Kühle Religionen". Seine Gedichte " Ikonen Cognac" und "Sonnenfinsternis in Honfleur" begeisterten die Schüler/innen des Deutsch-Leistungskurses der Q1 besonders und warfen viele Fragen auf. So wollten die Schüler/innen wissen, ob Hans Thill immer so kunstvoll schreibe wie im vorgelesenen Fax. Die Schüler/innen interessierten sich dafür, wie sich die Texte allmählich von gesammelten Eindrücken zur Kunstform entwickeln. Hans Thill erklärte: "Das Spontane an der Formulierung interessiert mich", dann aber auch das Spiel mit Wörtern, das darin bestehe, dass man aus Wörtern etwas ganz Neues herausholen könne oder auch nicht, weil manche Wörter ihre Sperrigkeit behielten.

Er ließ seine Zuhörer/innen teilhaben an den Schritten seines Schreibens. Es gab viele Fragen: Wie entstehen Bilder, z.B. das der Kühe am Straßenrand, die dazu da sind, die Rasenmatten vor dem Wegfliegen zu bewahren? Woher kommt das Wort "Ikonen Cognac"? Haben Sie eine Lieblingsepoche? Kennen Sie Schreibblockaden? Was würden Sie sagen, wenn ein Leser Ihren Text komplett anders versteht als Sie selbst? Haben Sie Lieblingsthemen und -formen beim Schreiben? Kennen Sie die Wut auf das eigene Geschriebene? Schreiben Sie für sich oder für ein Publikum?

Thill beschrieb, was für ein Glück es ist, zu schreiben und zum eigenen Ton zu finden. Es komme nicht darauf an, was der Poet zu seinem eigenen Gedicht meine, der Autor selbst brauche nicht für das Verständnis eines Gedichts erforscht werden. Es gehe darum, was der Text uns sagt, und darüber könne man dann gemeinsam sprechen. Ein Gedicht sei ein Text zwischen dem Poeten, dem Leser und dem Publikum. Diese Schullesung war ein gelungenes Beispiel dafür.

Wir danken Hans Thill für die Lesung, seine Offenheit und Geduld im Gespräch, dem Kulturamt der Stadt Münster und dem künstlerischen Leiter des Lyrikertreffens, Hermann Wallmann, für die Ermöglichung dieses spannenden Vormittags.

LK Deutsch (Q1) und A. Follak