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Unterwegssein, Sehnsucht und Reisen

Der Deutsch-LK der Q2 in der Turner-Ausstellung

Unterwegssein, Reisen, Sehnsucht, das besondere Licht der italienischen Sonne, die gewaltige Präsenz der Berge und des Himmels beim Wandern zu erleben: dies alles sind Themen, mit denen wir uns schon in Poesie und Prosa auseinandergesetzt haben. Nun starteten wir den Versuch, diese romantischen Themen auch im Medium des Gemäldes zu entdecken.

Dabei wurden wir von Jessica Tropp unterstützt, die unsere Blicke für die Details der Turner-Kunstwerke öffnete und uns mit ihrer sehr lebendigen und begeisternden Art Perspektiven ermöglichte, die sonst unentdeckt geblieben wären: der Wurfanker auf dem Fischergemälde im Mondschein, das Hochformat und die irreale Adlersicht auf die Landschaft, die Wegdränge-Stangen, mit denen die Schiffbrüchigen wieder ins Meer gestoßen werden sollten, damit die Landbewohner die Beute für sich reklamieren konnten, die Frage, wie bloß der Regenschauer auf dem Schiffbruch-Gemälde handwerklich ausgeführt worden ist, wie Turner auf einem Gemälde drei Horizonte versammelt, um danach die Leinwand zu zerschneiden, - all dies schärfte unseren Blick und das Verstehen dieser dramatischen Kunstform.

Uns wurden Zugänge zur Persönlichkeit Turners näher gebracht: sein Cockney-Akzent, seine selbstbewusste Geschäftstüchtigkeit, sein besessene Produktivität, die frühzeitige Hochbegabung, seine Fähigkeit, Literatur in Kunst umzusetzen, wie es am Beispiel des Lawinengemäldes und des Schneesturms deutlich wird. Die Sekunde vor der Katastrophe einzufangen und dramatisch darzustellen, ließ uns wie seine Zeitgenossen tatsächlich, "Horror and Delight" empfinden.

Dass Turners Kunst und die seiner Zeitgenossen durchaus noch heute aktuelle Themen darstellt, zeigt sich in seinem Plädoyer gegen Sklaverei auf dem Sintflutgemälde und in der Darstellung der Natur als Apokalypse, nachdrücklich verstörend in dem "Schneesturm" von Turner und dem riesigen Sintflut-Gemälde von John Martin.

Wir danken Frau Tropp und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur für dieses Ausstellungserlebnis!

Der Deutsch-LK (Q2) und  A. Follak